Professor Coenen ist Leiter der Abteilung für Stereotaktische und Funktionelle Neurochirurgie an der Universität Freiburg.

 

Er ist unter anderem Experte für die Tiefe Hirnstimulation bei Zwangstörungen und Depressionen.

 

Auf dem Gebiet der Depressionen gelang ihm im Jahr 2013 - im Rahmen einer Studie an der Universität Bonn - ein spektakulärer Durchbruch, über den auch in der internationalen Presse berichtet wurde.

 

Link: Pressebericht: Sensationeller Erfolg gegen Depressionen

Die Behandlung führte in 85% der Fälle zu einer deutlichen Symptomverbesserung. (Response)

                                    Link: Bericht über neue Studie aus der Badischen Zeitung vom 06.07.2015

 

 

Das Interview wurde mit uns am 13. 05 . 2015 geführt.

 

Link zum Stern - TV - Bericht vom 05.07. 2017

mit weiteren Infomationen zu Depressionen

 

Tiefe Hirnstimulation bei Depressionen ( Klick )

 

Kostenlose Behandlung im Rahmen einer Studie zur Kassenzulassung möglich ( 20.06.2017 )

 

Zum Presseartikel:

 

Link:

http://news.doccheck.com/de/174711/depression-der-freudenschrittmacher/

 

Frage:

 

Herr Professor Professor Coenen , seit wann befassen Sie sich mit der THS und  generell mit der neurochirurgischen Behandlung psychischer Krankheiten ?

 

Professor Coenen:

 

Die THS wende ich seit 15 Jahren an - bei psychischen Erkrankungen seit 2008.

 

Frage:

 

Sie verwenden die THS nicht nur bei Zwangserkrankungen, sondern ebenso bei Depressionen ?

 

Professor Coenen:

 

Ja, durchaus

 

Frage:

 

Wie verstehen Sie die Funktion der THS im Rahmen eines Heilungsprozesses bei diesen Erkrankungen ?

 

Professor Coenen:

 

Ich sehe die THS als eine Art " Türöffner ", der es ermöglicht , das der Patient überhaupt wieder " funktionieren ". kann.

Auch im therapeutischen Bereich wächst zunehmend das Verständnis  für das Vorliegen von Therapierefraktivität, was wiederum zu einer höheren Akzeptanz der THS führt.

Und gerade bei den Zwangsstörungen gilt es als unumgänglich , die THS mit einer anschließenden - sehr spezialisierten  - Verhaltenstherapie zu verbinden.

 

Frage:

 

Lassen sich Zwangsgedanken und Zwangshandlungen aus ihrer Sicht gleich gut mit der THS behandeln ?

 

Professor Coenen

 

Den Patienten von den sehr erschöpfenden, ängstigenden, intensiven Charakter seiner Zwangsgedanken zu reduzieren, so dass er seine Zwangshandlungen unterlässt, das funktioniert sehr gut.

Der belastende, stressende, ängstigende Inhalt von Zwangsgedanken selbst verbessert sich  , verliert seine emotionale Farbe, der Zwangsgedanke verblasst.

 

Frage:

 

Wie verhält es ich bei Depressionen ?

 

Professor Coenen

 

Interessanterweise ergibt sich ein für uns messbarer Effekt innerhalb von Tagen, wenn nicht von Stunden, obwohl der Patient selbst davon noch gar nichts bemerkt.

 

Frage:

 

Wie sieht es verglichen damit bei Zwangsstörungen aus ?

 

Professor Coenen

 

Bei Zwangsstörungen handelt es sich eher um ein im Laufe von Jahren, wenn nicht Jahrzehnten angeeignetes Verhalten.

Hier ist die Reaktionszeit eher länger.

 

Frage:

 

Wenn man für  den Erfolgsfall etwa ein Jahr bis zu einer merklichen Verbesserung rechnet, könnte man dann sagen, das alles was darunter liegt ein Bonus ist, aber eine spätere Reaktion durchaus möglich ist ?

 

Professor Coenen

 

Ja, ich glaube das ist völlig realistisch eingeschätzt.

 

Frage:

 

Bei der Entscheidung, wer für eine THS in Frage kommt, ist das Mitwirken mehrerer Fachrichtungen notwendig ?

 

Professor Coenen

Ja, als Neurochirurgen sind wir  im Grunde nicht kompetent genug, die entsprechende Indikation zu stellen - dies geschieht durch unsere Psychiater in unserem Haus.

Bei Depressionen wird außerdem noch ein unabhängiger externer  " Gatekeeper "(= Psychiater, der mit der Therapie des Patienten nichts zu tun hat und im Grunde ein externer Gutachter is t)  hinzugezogen, der diese Indikation verifiziert.

 

Uns kommt es auch sehr darauf an, das wir die richtigen Patienten zu operieren.

Anders gesagt:

Wesentlich ist, nicht die falschen Patienten zu operieren.

Eine depressiven Patienten zu operieren, dessen Depressionen auf einer Persönlichkeitsstörung basieren, würde nichts bringen, da die Persönlichkeitsstörung als Auslöser bleibt.

 

Anmerkung des Verfassers  ( Link:  Siehe hierzu auch den folgenden Artikel  )

 

 

Frage:

 

Wenn wir über die Risiken einer THS sprechen, so finden sich häufig für den Laien verwirrende Zahlen in den Medien, etwa ein 2 % iges Risiko einer Hirnblutung .

Wie sind diese Zahlen genau zu verstehen ?

 

Professor Coenen

 

Dazu muss man zunächst wissen, das Hirnblutung nicht gleich Hirnblutung ist.

Es gibt Hirnblutungen , die  ohne CT gar nicht bemerkt würden.

Für uns -  und natürlich die Patienten -  ist vielmehr entscheidend - in welchen Fällen permanente neurologische Schädigungen eintreten.

Und hier liegt das Risiko nach einer jüngst veröffentlichten Studie  mit etwa 5.000 operierten Patienten,  bei unter 1 %   ( Quelle: Adverse events associated with deep brain stimulation for movement disorders: analysis of 510 consecutive cases.  atel DM, Walker HC, Brooks R, Omar N, Ditty B, Guthrie BL.
Neurosurgery. 2015 Mar;11 Suppl 2:190-9. doi: 10.1227/NEU.0000000000000659. )

 

Frage:

Gibt es spezielle Pläne für die nähere Zukunft ?

 

Professor Coenen

 

Es wird eine weitere  Depressionsstudie geben,sobald hierzu die Finanzierungsstruktur geklärt ist. Wir rekrutieren hierzu aber bereits Patienten. .

 

Das Zielgebiet wird  das mediale Vorderhirnbündel sein und das Ziel ist unsere Bemühungen weiter zu optimieren.

 

Frage:

Handelt es sich dabei um das gleiche Zielgebiet, bei dem Sie schon im Rahmen der Bonner Studie sehr erfolgeich operiert haben ? ( siehe Grafik unten )

 

Professor Coenen:

 

Ja, das Zielgebiet ist exakt gleich.

 

 

Herr Professor Coenen , wir danken Ihnen außerordentlich für das sehr informative Gespräch.

 

 

Links zu Videos zum Thema Tiefe Hirnstimulation und der Methode nach Professor Coenen: