** Patientenbericht aus dem TV **  Tiefe Hirnstimulation zum optimalen Zeitpunkt eingesetzt

Fallgeschichte eines Patienten

In der vierstündigen sehr gut gemachten Spiegel - TV - Dokumentation über Zwangsstörungen 

" Gefangen im Zwang - Wenn das Hirn nicht richtig tickt " am 03.03. 2018

 

stellte  Frau Professor Visser - Vandewalle von der Universitätsklinik Köln

 

einen Patienten mit einer erfolgreichen Tiefen Hirnstimulation sowie das Verfahren vor.

 

Leider ist diese Sendung nicht mehr verfügbar.

 

Daher baten wir die Klinik um eine Kontaktaufnahme zu dem Patienten hinsichtlich eines Interviews.

 

Herr Udo F., dem unser  Bewunderung und Dank gilt, das er sich und sein Schicksal in der Sendung vorstellte, willigte ein und so entstand das folgende Interview.

 

Udo F. ist heute 49 Jahre alt und seine Zwangsstörung begann vor rund 30 Jahren massive Formen  anzunehmen

 

Nachdem Udo F.  bereits in der Kindheit kleinere Zwänge erlebt hatte, begann sein Leiden mit  dem Erwerb des Führerscheins.

 

Es  manifestierten sich um das 20 Lebensjahr herum jedoch handfeste Zwangsstörungen, bei denen

es im Wesentlichen um Ängste ging jemandem mit dem Auto zu verletzen, was sich später auch auf normale Wege auf dem Bürgersteig oder täglichen Leben ausweitete

 

Hier sein interessanter und mutmachender Bericht:

Frage:

 

Udo, ihre Zwangsstörung begann vor 30 Jahren mit dem Erwerb des Führerscheins ?

Udo F.

 

Ja, das ist richtig, obwohl es schon in der Kindheit kleinere, relativ harmlose Zwangssymtome gab.

Nach einer kurze Euphorie als ich den Führerschein hatte, bekam ich zunehmend Gedankenzwänge, das ich  jemanden angefahren haben könnte.

Das führte dazu das ich  die Fahrtstrecken immer und immer wieder kontrollieren musste, um mich zu vergewissern, dass ich niemanden verletzt hatte.

Es waren gewissermaßen Gedankenzwänge und mystisches Denken, die dann zu Zwangshandlungen in eben jenem Kontrollzwang mündeten.

Mit er Zeit weitete dich dieser Zwang auch auf andere Gebiete aus, etwa, das ich auf dem Gehweg jemanden angerempelt haben könnte.

Die Zwänge behinderten mich dann auch sehr massiv darin, zu meinem Arbeitsstelle zu kommen.

 

Frage: Wie ging es weiter ?

 

Udo F:

Man weiß nicht wirklich, wen man um Rat fragen könnte

Am Anfang konnte ich die Krankheit gar nicht benennen.

Man geht mit dieser Krankheit auch erst zum Arzt, wenn es gar nicht mehr geht, wo ich dann erfuhr das es sich um eine Zwangsstörung handelte.

Man  behandelte mich mit Medikamenten deren Nebenwirkungen ich jedoch sehr schlecht vertrug.

 

Frage: Es gab dann sicher auch Therapien: Wie viele waren es und wie war der Erfolg ?

 

Udo F: 

Seit Mitte der 90er gab es eigentlich nur sehr wenige therapiefreie Zeiten, dabei waren ambulante und stationäre Aufenthalte.

Einen gewissen Erfolg konnte ich in einer stationären Einrichtung erreichen, doch dieser zerschlug sich bald durch einen Schicksalsschlag im persönlichen Umfeld.

 

Frage: Wie bist du auf  die Tiefe Hirnstimulation aufmerksam geworden ?

 

Udo F:

Über das Internet und  eine Veranstaltung an der Universität Köln ( dem 1.Tiefen Hirnstimulationstag ) wo eine Patientin von den positiven Erfahrungen berichtete.

 

Was war der entscheidende Punkt die Tiefe Hirnstimulation machen zu lassen ?

 

Man greift bei den Zwängen nach jedem Strohhalm.

Nachdem  man jahrzehntelang nach jedem " konventionellen " Strohhalm gegriffen hat, war die THS der nächste logische Schritt:

Frau Vandewalle klärte mich darüber auf, das die Risiken bei 0,8 % liegen würden und in Köln bisher nie ernsthafte Komplikationen aufgetreten waren.

 

Frage: Was sagte dein persönliches Umfeld zu deinem Vorhaben ?

 

Udo F: 

Von dort kamen keine deutlichen Meinungen, es gab gewisse Bedenken, aber insgesamt konnte man sich nicht vorstellen, dass ein physischer Eingriff etwas psychisches positiv beeinflussen könnte.

Wichtig war auch zu wissen, dass man wenigstens alles versucht haben würde.

 

Frage: Wie hast du die Operation selbst erlebt ?

 

Udo F: 

Es war  wie in einer  Art Dämmerschlaf - trotz der Länge verging die Zeit dabei wie im Flug.

 

Frage: Wie war es als das erste Mal die Stimulation eingestellt wurde ?

 

Udo F: 

Ich habe eigentlich sofort etwas gemerkt  - zusammen mit der Medikation konnte ich mich wieder " frei "  - deutlich leichter  - mit wesentlich weniger Zwängen bewegen.

Bald konnte ich auch mit Kollegen wieder etwas unternehmen.

 

Frage: Du warst bis kurz vor der Operation berufstätig ?

 

Udo F:

Ja,  und ich konnte einige Wochen nach der Tiefen Hirnstimulation wieder normal zur Arbeit fahren und diese aufnehmen.

 

Frage: Ein großer  Erfolg - wie ist es mit  den Medikamenten ?

 

Die - Chlomipramin und Quetiapin - habe ich noch einige Zeit weitergenommen, relativ zügig das Chlomipamin abgesetzt und bin jetzt  dabei die  minimale Dosis Quetiapin auch zu beenden.

 

Frage: Bist du zwangsfrei ?

 

Udo F:

Wenn es schlimm geht, kann es schon mal sein das ich  3 - 4 mal wende.

Das passiert aber sehr selten, manchmal Zwangsgedanken.

Man kann sehr gut mit dem jetzigen Zustand leben.

 

Frage: Hast Du noch Therapien gemacht?

 

Udo F: 

Ein paar Monate - aber was kann ein Therapeut tun, was man nicht vorher hätte tun können ?

Man muss irgendwann den Absprung schaffen

 

Frage: Wie bist du heute " technisch "  eingestellt ?

 

Udo F:

Ich habe ein Handgerät, mit dem ich die Stimulation dosieren kann, was ich als sehr angenehm empfinde:  In Stresssituationen erhöhe ich sie gelegentlich etwas.

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Das ist insgesamt eine sehr positive Geschichte und freut mich , dass Du so von der Tiefen Hirnstimulation so profitiert hast.

Außerdem vielen Dank für das Interview.

 

 

 

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Es ist uns natürlich bewusst, das der Besserungsverlauf stark vom individuellen Krankheitsverlauf  und der Persönlichkeit abhängt.

 

Udo s Geschichte zeigt, wie optimal die Tiefe Hirnstimulation bei Zwangsstörungen wirken kann.

 

Offenbar - trotz langer Leidensgeschichte - hat Udo genau den richtigen Zeitpunkt gefunden, die  Tiefe Hirnstimulation durchführen zu lassen.

 

Die Krankheit  zwar schon schwer ausgeprägt, aber noch in einem Stadium, in dem die Zwänge nicht vollkommen die Kontrolle über das Leben übernommen hatten.

 

Herr F. konnte  bis zuletzt arbeiten und als dies gefährdet war, entschieden er und die Mediziner sich für die Tiefe Hirnstimulation:

 

Optimaler weise konnte Herr F. sehr schnell eine Wirkung hinsichtlich der Besserung der Zwangsstörung erzielen, erlebte eine schnelle Besserung und war in der Lage seinen Beruf ( respektive den Weg dorthin ) wieder auf

zunehmen.

 

Für uns ein vorbildhaftes Vorgehen:

Die Tiefe Hirnstimulation bei Zwangsstörungen so früh wie möglich einzusetzen, und so spät wie nötig - bei Vorliegen aller Voraussetzungen.