Ablauf bei einer Zwangsstörung - Was findet da eigentlich genau  statt ?        Wie können Angehörige / Bekannte Betroffenen helfen

Unser Gehirn: mit und ohne Zwangssstörung: Immer ein Netzwerk von Kreisläufen und Verbindungen

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 Am meisten akzeptiert, unabhängig von den Maßnahmen, ist  eine Tatsache, die man lange außen vor gelassen hat: 

 

 

Das Gehirn jeder Person ist in Netzwerken  oder Kreisläufen organisiert. 

 

 

Gehirnzellen kommunizieren in Regelkreisläufen  miteinander und innerhalb dieser liegt im Krankheitsfall eine Störung vor.  

 

Der Kreislauf einer Zwangsstörung  beansprucht  im wesentlichen  zwei Strukturen, die miteinander  verbunden sind: Den präfrontalen Cortex ( PFC ) und den Nucleus Accumbens ( NAcc ).

 

Die  Darstellung im folgenden ist stark vereinfacht und zeigt die beiden hauptsächlcih beteiigten Regionen:

 

Den Präfrontalen Cortex ( direkt hinter der Stirn ) und den tiefer gelegen  - auch entwicklungsgeschichtlich  viel älteren Nucleus accumbens, die bei Entscheidungen in Verbindung stehen.

Zwangsstörung -Kreisläufe im Gehirn und ihre Auswirkungen im gestörten Zustand
Zwangsstörung: Biologie im Gehirn

 

Der  PFC ist  das Gebiet, das für Abwägen, emotionale Reaktionen, Aufmerksamkeit zuständig ist.

 

Möglich geworden ist diese Einsicht seit  rund 30 Jahre durch die enormen Fortschritte bei der Bildgebung durch  MRT und PET. 

 

Rechts der Energieverbrauch im Gehirn eines Zwangskranken ( OCD ) :

 

Gelbe und rote Bereiche belegen  dabei einen hohen Energieverbrauch  bei der Zwangserkrankung und auch den Ort, WO dies stattfindet. 

 

 

Rechts der Energieverbrauch im Gehirn eines Zwangskranken ( OCD ) :

 

Gelbe und rote Bereiche belegen  dabei einen hohen Energieverbrauch  bei der Zwangserkrankung und auch den Ort, WO dies stattfindet. 

 

Er ist um ein Mehrfaches gesteigert.

Mitunter ist es dem Zwangserkrankten nicht möglich  seine Zwänge zu unterbrechen, dann würde ein " gewaltsame " Unterbrechung " nur einen noch höheren Stresspegel auslösen.

 

Nun  haben wir  davon gesprochen, das Vorgänge im Gehirn  in allen Aspekten in Regelkreisen abspielen und mit der  " emotionalen Schwelle "  im Präfrontalen Cortex einen Kandidaten  für die Zwangsstörung gefunden.

Demzufolge ist möglicherweise ein weiterer Bereich ein Aspirant für das " Versagen " des normalen Verhaltens.

 

Der Nucleus Accumbens als zweite wichtige Schaltstelle der Zwangsstörung: Der große Bewerter unserer Entscheidungen.

Der Nucleus accumbens ( N Acc ) ist eine bohnengroße Struktur in den Basalganglien.

 

Die Basalganglien sind entwicklungsgeschichtlich  sehr viel älter, liegen sehr viel tiefer im Gehirn ( was im Übrigen auch nahelegt, das sie besonders schützenswerte und automatische Aufgaben ausführen.

 

Der Accumbens hingegen bewertet Situationen. Der Nucleus accumbens ist auch mit dem emotionalen Gedächtnis verbunden.

 

Auf diese Weise kannst du Situationen analysieren, um zielgerichtet Änderungen vorzunehmen, deine Bemühungen auf ein Ziel auszurichten oder dich zu entscheiden, dass es am besten ist, dich für den Moment zurückzuziehen.

 

 

Er hilft dir, Informationen zu lernen und zu verarbeiten. Motivation und Lernen gehen Hand in Hand.

 

In der Tat hätte der einfache Akt des Verstehens, der Integration von Wissen in dein Gehirn und des Erinnerns von Informationen wenig Sinn, wäre da nicht die emotionale Komponente, an der der Nucleus accumbens wesentlich beteiligt ist.

 

Gehen wir  von einem „ einfachen „Zwang aus :  „ Der Patient schaltet den HERD  aus,  er vebindet damit Gedanken, was passieren könnte, wenn er sich geirrt hat, und versichert sich erneut und zwar in den meisten Fällen in immer häufigeren Maße – zusätzlich weiß er genau, das nach  10 mal Kontrollieren,  weitere Kontrollen sinnlos sind.

 

NACHGEBEN, WIDERSTAND  LEISTEN - GEFÜHL Und  VERNUNFT stehen sich gegenüber

 

In der Zwischenzeit ist die Überlegung längst beim N ACC angekommen, der quasi eine Durchgangstür darstellt und bewertet, ob einmal Kontrolle genug ist und mir ein sicheres GEFÜHL gibt:

 

 

Bei einem Zwangskranken wird die Antwort immer häufiger  NEIN lautet.

 

Fatalerweise sendet der Accumbens seine Antwort auch auf direktem Weg in den PFC und erschwert die Entscheidung zu Lasten des BESSEREN WISSENS.

 

In zunehmendem Maße lässt sich diese Tür nicht mehr ignorieren  und sendet automatisch   „ das innere  „ UNGENÜGENDE ENTSCHEIDUNG " oder  besser " NICHT GENÜGEND INFORMATIONEN "  an den PFC.

Je schwerer der Fall wird, desto weniger braucht es äußere Auslöser ( Trigger ): Der  N Acc  wird  zu einer immer schneller wirkenden „ Drehtür „.

 

EXPERTEN SPRECHEN DANN AUCH VON EINER HYPERSYNCHRONISATION DER IMPULSE.

 

Seine anatomische Lage -  und seine Funktion. die eigentlich Nachdenken eher überflüssig machen sollte, auch das er ein " Quasi - Automatismus  " ist, machen eine Therapie außerordentlich schwer / aber machbar - indem man eben das  "andere Areal PFC"   trainiert ".

 

Aus meiner Sicht, ist der Accumbens wohl auch gerade dazu da, nicht alles zu durchdenken, sondern als " Parkplatz angeborener, erfahrener und gemachter Erfahrungen und  Emotionen ".

 

Das er nicht korrekt funktioniert mag genau so an funktionellen Fehlern ( Stichwort Serotonin ) als an den erläuterten Faktoren liegen.

 

Ich denke aber, das es genau diese Eigenheit ist, die die Therapie so schwierig machen.